Wiesbaden – Rhein – Romantik

Rhein Romantik

Wiesbaden. Rhein. Romantik.

Brahms´ Wiesbadener Sinfonie in vier Popsongs, Gemälde zur Rheinromantik und zu Wiesbaden, Texte von Lord Byron, Brentano, Goethe, Kleist und vielen anderen Rheinromantikern.

Ein multimediales Kunst-Musik-Literaturprojekt der Eschenbachschule

– wir malen zum Thema Rheinromantik und Wiesbaden nach alten und aktuellen Ansichtskarten, Fotos und Gemälden

– wir sammeln passende Zitate der Rheinromantiker zu jedem Bild

– wir machen 4 Songs aus Motiven der 4 Sätze der Wiesbadener Sinfonie von Johannes Brahms und ergänzen sie mit Songtexten von Lord Byron

Seit der Rheinromantik-Ausstellung im Wiesbadener Museum hatten wir dieses Thema schon im Kopf. Nun wollten wir endlich etwas zur Rheinromantik machen. Wir sammelten Fotos, Ansichtskarten, Bilder von Gemälden einst und heute und fotografierten selbst: Motive von Wiesbaden und dem Rheingau bis ins Mittelrheintal. Diese Motive werden von uns gemalt.

Damit setzen wir die Tradition der Eschenbachschule fort, für Leonardo ein künstlerisches Projekt zum Thema Wiesbaden zu machen (Vincent goes Wiesbaden 2011, Wiesbadener Gesichter 2013 – erster Platz, Wasser-Farben-Wiesbaden 2015 – zweiter Platz). Dabei sind bisher weit über 200 Bilder zu Wiesbaden und Umgebung entstanden, die wir auch schon oft ausstellten (z.B. Rathaus, Luisenforum, Schlachthof, Folkore-Festival, Kranzplatzfest, Kulturforum, Studienseminar, …) und teilweise als Originale oder Kalender verkaufen konnten.

Wir wollten dieses mal aber mehr, als ein reines Kunstprojekt, schließlich trieben sich ja viele Dichter zur Zeit der Rheinromantik hier herum. Also sammelten wir reihenweise Verse und Zitate über unsere Gegend von Goethe, Kleist, Brentano, Arnim und vielen vielen anderen. Mit diesen Versen wollen wir die Bilder ergänzen. Entweder werden sie inhaltlich passend zum jeweiligen Bild mit eingerahmt oder wir lesen sie zur Ausstellung der Bilder vor, oder ? mal schauen was sich da ergibt.

Leonardo-Projekt Wiesbaden. Rhein. Romantik (6)

 

Außerdem wollten wir in diesem Projekt eine Verbindung herstellen von unserer Stadt, die ja als Tor zum Rheingau gilt, zur Rheinromantik als Schwerpunkt. Schließlich begann Goethe ja von Wiesbaden aus seine Touren in den Rheingau und weiter, beschrieb Kleist herrliche Rheinerlebnisse am Biebricher Ufer, schuf Brahms in Wiesbaden seine dritte sogenannte Wiesbadener Sinfonie nach Touren durch den Rheingau.

Wir wollen das aber nicht wissenschaftlich genau angehen, sondern eher die Atmosphäre und die Stimmung einfangen und aus der Zeit der Rheinromantik in die heutige Zeit transportieren. Schließlich hat man seit dieser Zeit nie aufgehört über die Gegend zwischen Wiesbaden und dem Rheintal zu schwärmen. Natürlich ist uns klar, dass vieles was wir im gemalten Bild zeigen, zur Zeit der Enstehung des zugeordneten Zitats so noch gar nicht vorhanden war! Wenn das Zitat aber zum darrgestellten Ort passte und die Stimmung des Bildes ergänzen oder erhöhen konnte, entschieden wir uns trotzdem, beides zusammenzuführen!

Romantische Beschreibungen gab es auch noch bei Thomas Mann in seinem Felix-Krull-Roman (1954) oder von dem in Wiesbaden geborenen Schriftsteller Alfons Paquet 1937 im „Frankfurter Rundhorizont“. Eines der größten europäischen Musikfestivals, das Rheingau-Musik-Festival wurde vom Wiesbadener Michael Herrmann gegründet und verbindet Wiesbaden und den Rheingau jedes Jahr in vielen Konzerten.
All diese Informationen und Verse sammelten wir aus den Büchern „Der literarische Rheingau“ (2016) und „Die Heimat der Romantik“ (2000) von Heiner Boehnke.

Leonardo-Projekt Wiesbaden. Rhein. Romantik (3)

Als wir auf einer Fototour von Rüdesheim durch die Weinberge zum Niederwald zogen, stießen wir auf den Brahmsweg. Auf mehreren Texttafeln wird hier beschrieben, wie Johannes Brahms den Rheingau erlebte und mit den Eindrücken seiner Wanderungen durch die Landschaft 1883 seine Dritte, die Wiesbadener Sinfonie komponierte. Er hatte nämlich eine Wohnung am Geisberg in Wiesbaden, wo er dieses Werk niederschrieb und besuchte regelmäßig die Beckeraths in der Adolfstrasse 23. Im alten Kurhaus wurde die Wiesbadener Sinfonie dann 1884 auch das erste mal von ihm dirigiert.

Leonardo-Projekt Wiesbaden. Rhein. Romantik (5)

Es war also klar: dieses Musikstück müssen wir irgendwie mit unserem Projekt verbinden. Die Schulband hörte sich die vier Sätze der Wiesbadener Sinfonie immer wieder an. Dann hatten sie eine Idee. Sie wollten aus kurzen Ausschnitten, die ihnen besonders im Ohr geblieben waren, jeweils einen Song machen. Sie spielten die jeweilige Melodie zunächst auf einer Gitarre und suchten auch die passenden Akkorde für eine zweite Gitarre. So entstanden ziemlich schnell erste song-artige Versionen.

Als wir uns im Internet über Brahms und seine Zeit in Wiesbaden und im Rheingau informierten, stiessen wir auf die Wiesbadener Brahms-Gesellschaft, die dieses Jahr – welch ein Zufall – ihren 30jährigen Geburtstag feiert. Vielleicht ist ja unsere moderne poppige Bearbeitung der Wiesbadener Sinfonie ein schönes Geschenk zu dieser Gelegenheit!? Und vielleicht eine Möglichkeit für die Schulband, die Wiesbaden-Sinfonie-Songs in diesem historisch damit verbundenen Saal zu spielen, kombiniert mit der Ausstellung der Bilder und Lesung der ausgesuchten Rheinromantik-Zitate … würde ja irgendwie passen 😉

Songs brauchen auch Texte. Die Textversuche gelangen aber irgendwie nicht. Eigene Versuche waren dieses mal irgendwie immer zu kitschig. Sie versuchten dann unsere ausgewählten Zitate der Rheinromantiker zu benutzen, was aber auch nicht so recht gefallen wollte. Sie suchten weiter und entdeckten einen Artikel über den englischen Dichter Lord Byron, der als Mitbegründer der Rheinromantik gilt und in diesem Artikel als der „erste Rockstar“ bezeichnet wurde (Patrick Peters in „Mein Rheinland“ 5/11). Und bei ihm fanden sich Verse, die sich ganz gut auf die ausgewählten Motive, Akkorde und Rhythmen singen ließen. Das Gedicht „The Castled Crag“, das er vor genau 200 Jahren (schon wieder ein runder Geburtstag!) über die Gegend geschrieben hat, besteht aus vier Strophen. Also sollte jedem der vier Sätze der Wiesbadener Sinfonie je ein Vers des Gedichtes zugeordnet werden. Da Lord Byron sich genau zwischen Mittelrheintal und Hochheim aufhielt und sich die Verse teilweise genau auf unsere Gegend beziehen, ohne sie leider zu nennen (Christian von Stramberg im Rheinischen Aquarius 1867), fanden wir diese Texte sehr passend.
Natürlich ist uns klar, dass zwischen der Entstehung des Textes und der Musik von Brahms dritter Sinfonie fast 70 Jahre liegen! Wie aber auch bei der Zuordnung der Bilder und Zitate, geht es uns ja um die passende Atmosphäre und Stimmung – und die passen hier einfach in Text und Musik zusammen! Außerdem wollen wir ja gerade zeigen, dass die Rheinromantik heute immer noch fortleben kann und soll! Deshalb ist das Überspringen von Zeit für unser Anliegen ja fast schon ein Muss!

Und in der dritten Strophe geht es sogar um die Lilie, also die Pflanze in unserem Wiesbadener Stadtwappen. Passt wunderbar!

Etwas Schwierigkeiten hatte die Schulband beim dritten Satz. Irgendwie fanden sie nicht die richtigen Akkorde zu den ausgewählten ersten 8 Takten. Also schaute man mal auf Youtube, ob nicht vielleicht schon einmal jemand versucht hatte, diesen Satz auf Gitarre zu covern. Und dann der Schock:
Carlos Santana hatte sich tatsächlich genau die gleichen Takte des dritten Satzes ausgesucht wie wir und seinen Song „Love of my life“ daraus gemacht. Unglaublich. Wir wollten es nicht glauben. Genau die gleiche Idee. Aber er hat nicht angegeben, dass er die Melodie von Brahms´ Wiesbadener Sinfonie hat. Frech. Was sollten wir jetzt tun. Würde man uns glauben, dass die Schulband selbst die Idee hatte. Wir hofften es einfach. Außerdem hatte die Schulband von Anfang an einige Dinge anders gemacht. Wie im Original von Brahms entschieden sie sich für einen 6/8tel-Rhythmus. Santana hat es auf 4/4tel glatt gebügelt. Er benutzt die gleichen Akkorde des Brahms-Themas über das ganze Lied, die Schulband hat im Textteil, der ja zudem auch ein ganz anderer ist als bei Santana, die Akkorde geändert und ergänzt und außerdem noch einen kurzen Chorus/Refrain eingefügt. Außerdem haben wir uns ja an alle 4 Sätze gemacht um das Werk im Ganzen zu bearbeiten.

Damit immer der Bezug zur Wiesbadener Sinfonie erkennbar ist, wollen wir auch die Takte, aus denen wir die Songs machen, kurz in der orchestralen Originalversion anspielen. Da wir natürlich kein Orchester haben, werden wir hier wohl auf vorhandene Aufnahmen zurückgreifen müssen. Das ist natürlich schwierig wegen Urheberrechten und Gema, aber eine bessere Lösung ist uns hier noch nicht eingefallen. Eine Möglichkeit wäre vielleicht, die Orchesterparts von einem Keyboard mit Streicher-Sounds spielen zu lassen, …. Wir werden sehen …

Am 21. November hatte die Schulband die große Ehre, von Udo Dahmen, dem Leiter der Pop-Akademie Mannheim zu einem allgemeinen Coaching eingeladen zu werden.
Die ersten Demos der Brahms-Bearbeitungen wurden ihm vorgespielt und man erwartete Kritik und Verbesserungsvorschläge. Nachdem sich Udo Dahmen die vier Songs angehört hatte, fand er aber erfreulicherweise nur Lob und Anerkennung für die Arbeit.

Am 10. Dezember waren wir bei Radio Rheinwelle und haben dort im Interview erstmals von unserem Projekt erzählt und es vorgestellt. Wir hätten gerne unsere Demos der Wiesbaden-Sinfonie-Songs bis dahin fertiggestellt und in der Sendung gespielt, leider hat uns eine Grippe und die dabei verlorene Stimme unserer Sängerin hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Erste Versionen, die wir halt mit „vergrippter“ Stimme als Demo im Musikraum der Schule aufgenommen haben, könnt ihr euch aber hier schon einmal anhören:

https://soundcloud.com/musicstorage

Inzwischen (Dezember) sind so um die 90 Bilder entstanden, die wie für ausstellungreif halten (natürlich wurden etliche mehr gemalt, die uns aber nicht gut genug erschienen). Und wir machen natürlich noch weiter! Wir haben für jedes Bild einen Hauptverantwortlichen, der auch zum Bild genannt wird und den Großteil gemalt hat. Mit der Zeit haben sich aber Einige spezialisiert, die irgendetwas besonder gut konnten. Manche hatten es zum Beispiel raus einen schönen Abendhimmel zu malen, andere bekommen Lichtreflexe im Rheinwasser besonders gut hin, wieder andere können besonders gut Laub an Bäumen malen u.s.w.. Auch wenn also immer zu jedem Bild ein „Maler“ genannt wird, ist doch alles Teamarbeit. Aber das war ja zum Beispiel in der Ateliers von Leonardo (da Vinci) auch so. Dort wurden auch bestimmte Details in den Bildern von den jeweiligen Spezialisten angefertigt.

Vom 8. bis 19, Mai 2017 haben wir mit diesem Projekt eine Ausstellung im Rathaus Wiesbaden und zur Eröffnung die Wiesbaden-Sinfonie-Songs spielen. Die Möglichkeit hat uns Dr. Thomas Weichel von der Stabsstelle Wiesbadener Identität beschafft, nachdem wir ihn besuchten und ihm all unsere Wiesbaden-Projekte vorstellten
Wir sind ein „buntes“ Team aus Schülern der Klasse 7-10, der letzten Hauptschule Hessens, die schon immer hier sind, als Flüchtlinge aus verschiedensten Ländern zu uns kamen, oder im Rahmen der Inklusion unsere Schule besuchen. Die Schulband nimmt dieses Jahr auch in zwei weiteren Kategorien an Leonardo teil (Stadt-Ideen: Blutlinde – und Soziales & Inklusion: Your Story) und komponiert hierfür insgesamt 8 Songs!

Klasse: 7-10 & Schulband

Teamsprecher/-in: Giada Zaccaria

Lehrer: Olli Back